Evangelische Kirchengemeinde
Sulzbach/Saar
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An-(Ge)-dachtMP3-Andacht

An-ge-dacht (von Pfr. Holzmann)

Februar 2012

Wer schon einmal mit einem Zollstock hantiert hat, weiß, wie schnell das geht: Falsch gemessen! Das Werkzeug nicht mit der richtigen Seite angelegt, oder bei Messungen über zwei Meter fehlerhaft zusammengerechnet. 

Und dann haben wir das Missgeschick: Das Möbelstück passt doch nicht in die Nische oder die Vorhänge sind und bleiben einfach zu kurz und damit ein ständiges Ärgernis. 

Schon mit solchen kleinen Messungen haben wir oft unsere Schwierigkeiten und Fehler wirken lange nach.

Im Umgang untereinander - von Mensch zu Mensch - ist es ratsam mit

„Messungen“ ebenfalls vorsichtig zu sein. Wie schnell „vermisst“ man sich, wenn Sorgfalt fehlt oder ganz einfach ausreichend Zeit und Gelegenheit, einen Mitmenschen in seinen ganzen Eigenheiten, Stärken und Schwächen anzusehen und wahrzunehmen. 

Wir möchten es auch für uns selber nicht, dass vorschnell und fahrig bei uns Maß genommen wird.

Sicher legt auch Gott seinen Maßstab an unser Tun und Lassen, an unser Reden und Handeln.

Damit wir diese Prüfung bestehen, sind wir angewiesen auf seine Menschenfreundlichkeit, auf Barmherzigkeit und letztlich auf Vergebung von Fehlern, Schwäche und Schuld.

Das schon beizeiten zu bedenken, bewahrt vielleicht im Zwischenmenschlichen vor ungerechtem Umgang miteinander, macht unseren Alltag freundlicher und lebenswert.  

Denn: Kann einer einen anderen gnadenlos bewerten, der weiß, dass er selbst der Nachsicht bedürftig ist?

 

März 2012

„Aufs hohe Ross setzen sich meistens diejenigen, die nicht reiten können.“ Von Friedl Beutelrock, einer deutschen Schriftstellerin des vorigen Jahrhunderts, stammt dieser Satz.

Das Reiten stellen sich viele Menschen leichter vor, als es tatsächlich ist. Dabei scheitern die meisten schon – so wie ich auch - bei dem Versuch, sich auf ein Pferd zu setzen, ja sich einem Pferd nur zu nähern. Seine Größe ist imponierend.

Kenner wissen es: Pferde spüren nämlich genau, in welcher seelischen Verfassung wir ihnen begegnen -  und verhalten sich dementsprechend.

Nicht zuletzt deshalb kommen die äußerst feinfühligen Tiere in Managementseminaren und Therapien zum Einsatz.

Wenn wir einem Pferd gegenüber stehen, dann nützt uns kein Gehabe und Getue, mit dem wir sonst zu beeindrucken oder zu bluffen versuchen.

Das Pferd verlangt Echtheit: echte Ruhe, echte Gelassenheit, echte Souveränität.

Hohe Rösser sind natürlich eine Gattung für sich. Sie lassen sich leichter besteigen und reiten als lebendige, aber der schmerzhafte Sturz ist bei ihnen sozusagen schon vorprogrammiert. Hohe Rösser sind leicht als Fantasiegestalten zu erkennen. Wir können auf ihnen nicht wirklich Eindruck schinden.  

Wer setzt sich schon auf ein Karussellpferd, wenn die Möglichkeit besteht, auf einem lebendigen Vierbeiner auszureiten?

Wer braucht Showgehabe, wenn echte Fähigkeiten vorhanden sind?

Das hohe Ross trägt nicht weit. Verzichten wir daher lieber auf sinnloses Imponiergehabe und zeigen wir uns, wie wir wirklich sind! Das macht Eindruck.

Ihr Carlo Holzmann