Geschichte
Als der König
Friedrich Wilhelm IV. anlässlich der Einweihung der
Rhein-Nahe-Bahn mit seinem Gefolge die Eisenbahnstrecke
befuhr, sagte er lächelnd: "Sehen Sie, meine Herren,
dies ist die einzige Kirche in meiner Monarchie, die
ohne meine Erlaubnis gebaut worden ist." In der Tat, da
die Sulzbacher Christen im Jahre 1854 ihre Kirche nur
mit eigenen Mitteln erbauten, benötigten sie damals zum
Bau des Gotteshauses auch keine Erlaubnis des
preußischen Königs.
Da infolge der
Industrialisierung die Einwohnerzahl Sulzbachs und damit
die Zahl der evangelischen Gläubigen stark anwuchs,
wurde schon bald die neue Kirche zu klein und man plante
eine Erweiterung und in dem Zusammenhang eine großzügige
Modernisierung. Der Planung folgten schnell Taten. Und
so konnte man schon im Jahre 1898 am 1.
Weihnachtsfeiertag eine größere und schönere Kirche
einweihen.
Mit dieser
Erweiterung der alten Kirche ist dem Architekten, Herrn
Güth aus Berlin, eine wirklich gute Lösung gelungen. Die
Kirche, wie sie sich heute noch zeigt, ist von einer
einheitlichen Raumgestaltung gekennzeichnet. Das
Überraschende sind die Holzeinbauten. Das Äußere der
Kirche lässt mit seinen gotischen Strebepfeilern und
nach aller Erfahrung mit der Gotik eine Gewölbekirche
vermuten. Doch mit ihrer flachen Holzdecke, die von
Kragstützen auf Konsolen gehalten wird, hat sie ihre
Vorbilder in den protestantischen Kirchen des Nordens
und nicht in der französischen oder deutschen Gotik.
Besonders in England und Holland haben die großen
steinernen Kirchenschiffe an Stelle der schweren
Steingewölbe oft leichte Holzkonstruktionen. Die
hölzerne Empore läuft auf der West- und Südseite um. Sie
wird von leichten Säulen getragen und trägt ihrerseits
wieder auf Säulen eine leichte Arkadenreihe, die das
Seitenschiff vom Mittelschiff trennt. So werden die
hölzernen Einbauten zum bestimmenden Element des
Innenraumes. Die Vorbilder sind erkennbar, doch ist die
Gestaltung eigenwillig und phantasievoll. Und alles
stimmt zusammen bis hin zum stilvollen Radleuchter.
Sigmund Baller
Archiv
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In unserem
Kirchenarchiv geblättert 1 |
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Kirchenarchiv geblättert 2 |
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Kirchenarchiv geblättert 3 |
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Kirchenarchiv geblättert 7 |
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Kirchenarchiv geblättert 8 |
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In unserem
Kirchenarchiv geblättert 9 |
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150 Jahre
Evangelische Kirchengemeinde Sulzbach |
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- 1854 - |
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- 1855 - |
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- 1856
und 1857 - |
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In unserem Kirchenarchiv
geblättert 1
„Die Glocken rufen die Gemeinde zum
Gottesdienst. Sie stehen im Dienst der Wortverkündigung
und mahnen zum Gebet“ So umschreibt die Kirchenordnung
die Aufgabe der Glocken.
Tönende Fruchtschalen oder Holzgefäße, wie sie uns heute
noch bei den Naturvölkern begegnen, waren möglicherweise
die Vorläufer unserer heutigen aus Metall - meist Bronze
- gegossenen Glocken. Immer schon hatten sie eine
mahnende, eine rufende Aufgabe. So sollen sie bei den
Naturvölkern Unheil abwenSieden, während sie bei den
asiatischen Religionsgemeinschaften auf die Gottheit
einwirken, sie rufen oder ihr die Beter ankündigen
sollen.
Die Kunst, Glocken zu gießen ist wohl aus Asien zu uns
gekommen. Von dort ist auch die älteste erhaltene Glocke
bekannt. Sie stammt aus dem 9. Jahrhundert vor Christi,
ist also fast 3000 Jahre alt. Erst ungefähr 1500 Jahre
später - im 6. Jh. nach Christi - finden wir die Glocken
auch in Europa. Ihr Geläut wurde weithin gehört, wenn
sie vor Gefahren warnten (Naturgewalten, Feuer, Feinde).
Ihnen vertraute man den Tagesablauf an, indem man sie
den Morgen, die Mittagszeit und den Feierabend einläuten
ließ. Auch heute noch kann man sich auf den
Glockenschlag zur viertel, halben bzw. vollen Stunde
verlassen. In manchen Gegenden - so auch bei uns -
werden sie beim Ableben eines Gemeindegliedes geläutet
(„Wegläuten“). Vor allem aber waren es die Kirchen die
sich ihres weithin hörbaren Klanges bedienten. Und so
findet man sie denn auch überall in den Kirchtürmen. Sie
ertönen zu den verschiedensten religiösen Anlässen.
In der Ostkirche erklingen die Glocken lediglich an
hohen Festtagen. Die römisch-katholische Kirche
verzichtet von Gründonnerstag bis zur Ostervigil
(Osternachtsmette) ganz auf das Glockengeläut und ruft
in einigen Gegenden mit hölzernen Schnarren oder
Rätschen die Gläubigen zum Gottesdienst.
Vornehmlich waren es Mönche, die die Aufgabe übernahmen,
Glocken zu gießen. Erst im 13. Jh. entwickelte sich das
Glockengießerhandwerk. Als Rohstoff diente Eisen,
hauptsächlich aber Bronze, eine Legierung aus Kupfer und
Zinn (SnBz20/30).
Sinnsprüche und allerlei Verzierungen deuten auf ihre
Aufgabe und ihren Gebrauch hin oder drücken aus, was sie
in die Welt hinaus verkünden sollen.
Die
Glocken erreichen zum Teil ein respektables Gewicht, je
nach den statischen Gegebenheiten des Glockenstuhles: 25
t eine Glocke des Kölner Domes, über 200 t die Glocke im
Kreml (Moskau). Als älteste Glocke im europäischen
Kulturraum gilt die St.-Filians-Bell im Edinburgher
Museum. Die älteste noch verwendete Glocke in
Deutschland ist die Lullus-Glocke in Hersfeld.
Dagegen wirkten die Glocken in der alten Sulzbacher
Kirche doch recht bescheiden. Das Geläut, das 1854 die
Gläubigen zum Gottesdienst mahnte, kam lediglich auf ein
Gewicht von 107,25 kg. Es waren kleine Stahlglocken, die
in einem Dachreiter in einem äußerst bescheidenen
Türmchen untergebracht waren. Das im Jahre 1896 geplante
neue Gotteshaus sollte einen richtigen Glockenturm mit
schwereren, klangvolleren Glocken erhalten. Doch dafür
hatte man zunächst nicht das nötige Geld. So kam das
damalige Presbyterium im Juni 1896 auf die Idee, den
Kaiser Wilhelm I um die Überlassung von erbeuteten
französischen Kanonenrohren zu bitten. deren Bronze man
zu Glocken umschmelzen könne. Schon damals „Schwerter zu
Pflugscharen“?
In einem leidenschaftlichen, im damalig üblichen
patriotischen unter unterwürfigen Schreibstil gehaltenen
Brief versuchte man den Kaiser zu überzeugen:
Allerdurchlauchtigster, großmächtigster Kaiser und
König, allergnädigster Kaiser, König und Herr!
In den Jahren 1852 - 54 wurde für eine Bevölkerung
von 1800 Seelen die hiesige Kirche mit circa 300
Sitzplätzen erbaut. Dieselbe aber ist, obwohl
bereits zweimal Teile der alten Parochie (Anm.:
Friedrichsthal und Altenwald) abgetrennt und zur
selbständigen Pfarrei erhoben wor¬den sind, - für
die immer noch 4262 Seelen zählende Gemeinde S. viel
zu klein.
Darum hat die kirchliche Vertretung beschlossen, die
bisherige Kirche zu verlängern und einen Turm zu
erbauen, in dem 3 Glocken Platz finden. Die
bisherigen Glocken, die in einem äußerst
bescheidenen Türmchen aufgehängt waren, sind
fernerhin nicht mehr zu verwerten, da sie viel zu
klein sind; die schwerste wiegt 129 Pfund, die
zweite 82¼ Pfund.
Ew. Majestät nahen wir uns daher mit der
allerunterthänigsten Bitte, allergnädigst genehmigen
zu wollen, daß zum Guß von 3 Glocken uns Material
aus eroberten französischen Geschützen zugewiesen
werde.
Nur zwei Stunden von diesem Dorfe zog sich im Jahre
1870 die französische Grenze hin, unsere Gegend war
durch fränkischen Übermut zuerst und am meisten
bedroht; durch unser Dorf zogen am 6. August die
Schaaren der wackeren Krieger, um in den gewaltigen
Kampf einzugreifen, der um die Höhe von Spichern
tobte; hier bei uns wurden sie mit Speise und Trank
zum Weitermarsch erquickt und mit manch kräftigem
Wort zum bevorstehenden Kampfe gestärkt; hier fanden
nochmals manche Verwundete liebevolle Pflege, und
mancher, der den Heldentod für König und Vaterland
gestorben, ist auf unseres Friedhofs Flur zur
letzten Ruhe gebettet.
So wäre es uns ein Gegenstand ganz besonderen
Stolzes und die höchste Ehre, wovon Kinder und
Kindeskinder noch zu rühmen wüßten, wenn Glocken aus
denselben französischen Kanonen gegossen, die
dereinst unsere Grenzen bedroht, in Zukunft von
unserem Turm verkünden könnten, was in diesem
Jubeljahr aller Herzen bewegt:
„Der Herr hat Großes uns gethan, Ehre sei Gott in
der Höhe.“
Und wie dereinstens Ew. Majestät Königlicher
Ahnherr, des in Gott ruhenden Königs Friedrich
Wilhelm IV Majestät, unserer Gemeinde dadurch eine
große Gnade hat zuteil werden lassen, daß
Höchstderselbe uns laut Cabinetsorder vom 8. Juni
1853 ein Stück des Königlichen Waldes „zur
Verschönerung des Hintergrundes der Kirche und zur
Anlegung eines Pfarrgartens“ allerhuldvollst
überließ, so flehen Ew. Majestät wir
allerunterthänigst an, „Ew. Majestät wollen
allergnädigst geruhen, in Königlicher Huld auch
unsere Bitte allergütigst zu gewähren“
Ew. Kaiserlichen und Königlichen Majestät zu
allerunterthänigstes Presbyterium von Sulzbach.
Eine kostenlose Abgabe von französischen Kanonenrohren
wurde jedoch aus rechtlichen Erwägungen abgelehnt.
Stattdessen bot man dem Presbyterium frz. Kanonenrohre
zum Kilopreis von 0,95 Mark an. Da die Kanonen jedoch im
Artilleriedepot Spandau lagerten, die Transportkosten
doch wohl zu teuer kämen, verwies man auf die
Möglichkeit, deutsche Kanonenrohre aus dem
Artilleriedepot in Mainz zu beziehen.
Und so wurde es dann auch gemacht. Das Presbyterium mit
dem Pfarrer Imig als Vorsitzenden bestellte in Mainz
„2500 kg Bronze in ausgesonderten preußischen
Geschützrohren gegen Zahlung des Materialwertes von 0,90
Mark für das kg und Tragung der Transportkosten“.
Nun endlich konnte man die Glocken bestellen. Inzwischen
schrieb man das Jahr 1898. Von den Angeboten der
Glockengießerfirmen F.W. Rincker (Sinn/Nassau ), Carl
Friedrich Ulrich (Apolda/Thür. und Allenstein/Ostpr.)
und der Firma Joh. Gg. Pfeifer (Kaiserslautern) erschien
dem Presbyterium das der letzteren am günstigsten, und
so gab man der Pfälzer Firma Pfeifer den Zuschlag.